Musik

Kulturelles Erbe verbindet

Laquirou ist ein Weingut, aber auch ein Wohnsitz. Wir sind regelmässig auf Château Laquirou anzutreffen und bauen zurzeit typische Ferienwohnungen für weinaffine Gäste («chambre d’hôtes»). Doch zum Wein gehört auch die Musik, denn diese spielte in der Geschichte der Familie Hug bereits kurz nach 1800, im kulturell aufblühenden Zürich, eine wichtige Rolle.
Durch unser Engagement für Château Laquirou in La Clape seit 1993 lernten wir nicht nur die Weinbaukultur, sondern auch die reiche Musikgeschichte des «Langue d'oc», des Landes, in dem okzitanisch gesprochen wird, kennen.
Spätestens ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entwickelte sich hier eine komplexe weltliche Liedkunst. Die sogenannten «Trobadore» waren Dichter, Komponisten und Sänger. Sie zogen durchs Land und unterhielten die Menschen mit «Canso» (Liebeslied), «Sirventes» (Vasallenlied) und «Balada» (Tanzlied). Die Trobadore kamen aus allen Bevölkerungsschichten, unter ihnen befanden sich ebenso Adelige und Mönche, wie Bauern und Artisten.
Als berühmteste «Trobadora» gilt die Comtessa de Dia (ca. 1140 bis 1175).

 
Klavierspielen mit Sicht auf die Reben: Musik und Wein bilden auf Château Laquirou eine harmonische Symbiose

Die Trobadore: gestern wie heute

Die Blütezeit der Trobadorkultur im Languedoc dauerte rund 200 Jahre. Der aus Narbonne stammende Guiraut Riquier (1230 bis 1294) ist als letzter Trobador in die okzitanische Geschichte eingegangen. Er verfasste 89 Gesänge, von denen 48 erhalten geblieben sind. Für den Niedergang der Liedkultur waren die Kreuzzüge der katholischen Kirche gegen die Katharer sowie die Unterdrückung der Regionalkulturen durch den französischen Zentralismus verantwortlich.
Seit bald 20 Jahren erlebt nun die okzitanische Kultur im Languedoc eine Renaissance. In vielen Dörfern gibt es  Chöre, die okzitanisch singen und somit ihr kulturelles Erbe bewahren und lebendig erhalten.

Viele der professionellen Bands, welche die mittelalterlichen Lieder neu interpretieren, setzen traditionelle Instrumente wie Laute, Harfe, Dudelsack, Bogenfiedel, Drehleier oder Akkordeon ein, oft ergänzt durch Gitarre, Bass, Keyboard, Saxophon und Schlagzeug. Eine zentrale Rolle spielen auch alte Blasinstrumente, darunter verschiedenste Flöten sowie die «Autbòi», eine spezielle Form der Oboe. Die Kompositionen, in denen dieses Instrument zum Einsatz kommt, erinnern oft an die Klangwelt der Schafhirten, geprägt vom hellen Blöken der Tiere, dem Bimmeln der Schellen und den Zurufen und Pfiffen ihrer Bewacher. Verschiedene jüngere Interpreten vereinen das Trobador- Liedgut mit Einflüssen aus Jazz, Rock und sogar Hip-Hop.
Durch das vielfältige Aufleben der Regionalkultur wächst auch das Interesse an der christlichen Glaubensgemeinschaft der Katharer wieder, die vom 12. bis ins 14. Jahrhundert – also gleichzeitig mit der Blütezeit der Trobadorbewegung – im Languedoc ansässig war. Die Katharer waren vor allem in den schwer zugänglichen Ausläufern der Pyrenäen und Cevennen ansässig und führten ein bescheidenes, enthaltsames und zurückgezogenes Leben, bis sie von der römisch-katholischen Kirche durch die sogenannten Ketzerkreuzzüge verfolgt und weitgehend vernichtet wurden.
Verschiedene Musiker vertonen auch Poesie von zeitgenössischen okzitanischen Dichtern, um diesen ein grösseres Publikum zu verschaffen. So hat etwa der bekannte Sänger Gérard Zuchetto eine Auswahl von Poemen von René Nelli (1906 bis 1982) musikalisch arrangiert. In dessen Gedicht «La Tronadissa» heisst es:

Das Grollen des Donners gräbt sich ein in die Frische des Tales
Die Vögel sind fortgeflogen mit den Farben des Landes
Nur die Wege, die den Horizont verlieren, bringen mich dem näher, was ich liebe